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Aquacalypse Now


2018-11-02 14:42:03

(cai) Wasserscheu duerfte die Elke Schoenberger jedenfalls nicht sein. Sonst waere auf ihren Bildern doch wohl nicht so viel von dem nassen Zeug drauf, oder? Es handelt sich nicht um Aquarelle, nein. Die Technik ist Oel auf Leinwand. Die Gemaelde wuerden also vermutlich nicht untergehen, wenn die sehr feuchten Phantasien, die auf ihnen dargestellt sind, tatsaechlich wahr wuerden. Oel schwimmt nun einmal auf Wasser. Und Holz sowieso. Aus dem der Keilrahmen besteht.

Wien ist bekanntlich gleich drei Sachen auf einmal: Stadt, Land, Fluss. Und Letzterer will hier partout nicht im Bett bleiben, das man ihm gemacht hat. Die Wien erinnert sich ploetzlich daran, dass sie eigentlich ein Wildwasser ist. Geht mit der U4 schwimmen. "Kagrantis": He, wie Atlantis. Nur halt ohne Atlantik. Dafuer mit der Donau. In der ist offenbar Kagran abgesoffen. Na ja, nicht ganz Kagran. Die Donaucity. Okay, das ist bloss eine pittoreske Spiegelung im Wasser, ueber die zwei Schwaene beschaulich gleiten. Apropos wilde Tiere. Zebrastreifen haben ja schon frueher die Fahrbahn ueberquert. Allerdings keine mit Hufen unten dran. Klimawandel? Oder aus dem Zoo ausgebrochen? Die Wildnis zieht in die Stadt.

Die Menschen sind aber trotzdem nicht ausgestorben. Sie warten noch immer auf die U-Bahn. Auf einem einsamen Felsen in der Brandung. Jahreskartenbesitzer? "Wiener Linien" heisst die Ausstellung uebrigens (Galerie Lehner). Originell: eine Muellverbrennungsanlage als Baukran zu verkleiden. (Ach, ist ihre bisherige Tarnung als lustige bunte Kirche aufgeflogen?) Wie nennt man das ueberhaupt? Fotosurrealismus? Extrem sinnlich (und wirklich) schildert Schoenberger Licht, Schatten, Reflexionen. Eine Sonnen- und Weltuntergangsromantikerin?

Schwarzmalerin ist das zumindest keine. Na gut, die Grundierung ist meist schwarz. Und eine ziemlich duestere Arbeit hat sogar den Titel "Schwarz". (Sonnenfinsternis ueber dem Mumok, dem Kunstbunker.) Doch ansonsten: die allerschoensten Farben. Ausserdem geht Wien nicht unter. Nicht zu Fuss. Man wartet, wie gesagt, lieber auf die U-Bahn.

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/kunst/999165_Kunst.html