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Hans Franta

Geboren 1893 in Linz. 1914 meldet sich Franta als einjährig Freiwilliger und kommt an die russische Front, gerät bereits im Herbst 1914 in russische Kriegsgefangenschaft und bleibt von 1915 bis 1921 in Sibirien, lernt dort auch seine zukünftige Frau kennen, die er 1918 heiratet. 1919 Bekanntschaft mit David Burljuk, mit dem er bei der ersten futuristischen Zeitung in Russland zusammenarbeitet (Mitherausgeber Kamensky und Majakowsky). Kehrt 1929 mit dem letzten Heimkehrertransport aus Russland zurück. 1925 - 1929 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Prof. Karl Sterrer. Von 1929 - 1941 Professor für Freihandzeichnen am Stadtgymnasium Linz Spittelwiese und am Realgymnasium, ab 1941 Kriegsdienst, 1942 nach Herzanfall Rücktransport. 1943 krankheitshalber aus der Wehrmacht entlassen. Ab 1943 - 1957 mit Unterbrechungen Lehrtätigkeit am Realgymnasium und intensive Maltätigkeit. Ab 1957 zahlreiche Studienreisen und längerer Aufenthalt in den USA. 1983 stirbt der Künstler 90-jährig in Linz.

Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, u.a. Neue Galerie der Stadt Linz (1976) und im Palazzo Grassi, Venedig (Arte di Vienna), eine Wanderausstellung, die unter dem Titel "Wien um 1900" im Künstlerhaus gestartet wurde und in variierender Form in der Folge in Venedig und später im Centre Pompidou in Paris gezeigt wurde.

Wenn man die frühesten Arbeiten Hans Frantas - etwa aus der Zeit von 1911 bis 1920 - in einer vergleichenden Betrachtung seinem Spätwerk aus den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg gegenüberstellt, wird die Tatsache offensichtlich, dass man es hier mit einer Künstlerpersönlichkeit zu tun hat, welche eine einmal bezogene künstlerische Position, unabhängig von den jeweils vorherrschenden aktuellen Kunstströmungen und stilistischen Wandlungen, die für die erste Hälfte unseres Jahrhunderts bestimmend waren, niemals verlassen hat.

Franta hat in seiner künstlerischen Auffassung, die sowohl durch die ganz persönliche Sicht der Realität wie auch durch seinen langjährigen Sibirienaufenthalt geprägt ist, das Umfeld des zeitgenössischen Kunstschaffens zwar nicht ignoriert, sodass da und dort Beziehungen zur malerischen Auffassung des Impressionismus wie auch zur Malerei des Jugendstils sichtbar werden, eine tiefgreifende Abhängigkeit, die ihn an der Formulierung und konsequenten Weiterentwicklung seines ganz persönlichen künstlerischen Anliegens und Standpunktes gehindert hätte, ist aber daraus niemals entstanden.

In der von ihm bevorzugten Technik des Pastells wie auch in seinen Zeichnungen zeigen sich Frantas thematische Schwerpunkte, seine fast leidenschaftliche Hinwendung zur Landschaft, welche er in ihren archaischen Strukturen sichtbar macht, und auf der anderen Seite sein Interesse für die Architektur, der in seinen Arbeiten durch die Reduzierung auf die wesentlichsten strukturalen Elemente von Fläche, Linie, Licht und Schatten immer auch etwas vom Charakter des über die Zeit Beständigen anhaftet.

Franta versteht sich in seinen Landschaftsdarstellungen aber niemals als kühl distanzierter Betrachter. Durch den dominierenden Einsatz der Farbe gelangt er zu einer Verdichtung von Stimmungswerten und erweist sich solcherart als engagierter Beobachter, dessen Arbeiten neben ästhetischem Interesse immer auch von persönlichem Erlebnis und intensiver Anteilnahme geprägt sind.


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