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Robert Hammerstiel

1933 in Werschetz, ehemaliges Jugoslawien geboren
1944 - 1947 Vertreibung und Aufenthalt in mehreren Internierungs- und Konzentrationslager
1947 Flucht nach Österreich
1956 - 1961 Studien bei Prof. Gerda Matejka-Felden, Wien
1958 Förderpreis für Malerei des Österreichischen Gewerkschaftsbundes
1963 - 1966 Studien bei Robert Schmidt, Gerhard und August Swoboda Wien
1968 erste Einzelausstellung
1985 die Republik Österreich verleiht Robert Hammersteil den Berufstitel Professor
1989 Studienreisen in ganz Europa, Israel Jordanien, Ägypten, den USA, vor allem New York
2006 Ausstellung im Leopoldmuseum und Verhüllung des Ringturmes
2009 Ehrenbürger von Werschetz
2010 Eröffnung des Robert Hammerstiel Museums in Werschetz

New York bedeutet einen Wendepunkt im malerischen Werk von Robert Hammerstiel. Der Künstler sieht und interpretiert seine Arbeiten plötzlich vollkommen neu. Er findet bei der amerikanischen Pop Art neue Referenzpunkte und Artverwandte, die er in Österreich vermisste. Als wäre blitzartig ein Scheinwerferspot mit Farbfilter auf seine Arbeiten gerichtet worden, werden mit einem Schlag Erdtöne durch grelle Farbklänge ersetzt, wird der weiterhin bestehenden Mystik seiner Bilder ein
erfrischendes Kolorit entgegensetzt. Ein derartig dramatischer und irreversibler Stilwechsel im fortgeschrittenen Alter ist mir sonst nur von Christian Rohlfs bekannt, der wie Hammerstiel noch im hohen Alter offen für radikal Neues war.

Am Anfang eines Bildes von Robert Hammerstiel steht die Komposition. Das perfekte Zusammenspiel von Farben und Formen zu einer stimmigen Einheit ist laut Hammerstiel oberstes Ziel jeder Arbeit. Das ist eine interessante Aussage für einen Künstler, der immer noch viel zu sehr über seine dramatische Biografie definiert und decodiert wird. Das Ausreizen der Möglichkeiten der
Abstraktion stellt einen ständigen Drahtseilakt in den jüngeren Arbeiten Hammerstiel dar.
Spannungsfelder zwischen Personen und Gegenständen werden so dargestellt, dass sie vom Betrachter noch intuitiv erfasst werden. Je weiter abstrahiert wird, desto offensichtlicher wird aber auch das kompositorische Wollen des Malers. Die Geschichte hinter dem Bild wird so nur angedeutet und muss vom Betrachter selbst vollendet werden. Eine Abstraktion ohne figurativen Bezug vermeidet der Künstler bewusst, um nicht in eine narrative Beliebigkeit abzurutschen.

Durch Abstraktion und Reduktion schafft Hammerstiel ein Inventar von Figuren und Gegenständen, die wie Archetypen unmittelbar auf den Betrachter wirken. Die flächig ausgearbeiteten Figuren - oft mit typischer Kopfbedeckung oder symbolhafter Kleidung - erzählen ihre Geschichte durch ihre Beziehung zu einem reduzierten Raum, einer sich verengenden Perspektive oder signalhaftem Inventar wie einer Lampe oder einer leeren Tasse. Der festgehaltene Moment lässt viel Raum für Überlegungen zum Davor und Danach, der strenge malerische Rahmen erhöht das Dargestellte zu einer allgemeingültigen Aussage.

Eine ganz andere Welt zeigt Robert Hammerstiel im Medium der Zeichnung: Die fehlende Farbigkeit gibt den Blick frei auf eine ausdrucksstarke und mystische Welt mit Akzenten und Konturen und
wesentlich höherer Gegenständlichkeit. Besonders interessant sind oft die Vergleiche von Motiven, die sowohl malerisch als auch zeichnerisch gelöst wurden, wie „Der alte Mann auf der Brücke“.



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